Freitag, 31. Januar 2020

Französische Wirtschaft in plötzlicher Schwäche

Ohne jede Vorwarnung schwächelt die französische Wirtschaft und deutete auf eine tiefgreifende Verschlechterung des Euroraums Ende 2019 hin.

Das Bruttoinlandsprodukt in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Region sank im vierten Quartal um 0,1%, was auf einen Rückgang der Exporte und einen enormen Schwund der Lagerbestände zurückzuführen ist. Alle Voodoo Ökonomen der EU hatten hingegen Wachstum von etwa 0,3 % prognostiziert.

Dies ist ein zusätzlicher Schlag für den französischen Präsidenten Macron, der bereits mit Massenprotesten und Streiks gegen seine Rentenreformen konfrontiert ist und die Haushaltsausgaben gestört haben. Seine Regierung hat wiederholt auf die relative Stärke Frankreichs in Europa hingewiesen, als Zeichen dafür, dass seine Steuer- und Arbeitsrechtsreformen funktionieren.



Finanzminister Bruno Le Maire machte die Streiks in den Häfen, im Schienenverkehr und bei den Treibstofflagern, für die schlechten Ergebnisse verantwortlich und hob den robusten Verbrauch und die Unternehmensinvestitionen hervor.

"Diese vorübergehende Verlangsamung stellt die soliden Grundlagen des französischen Wachstums nicht in Frage", sagte er den franzäsischen Medien. "Wir achten jedoch besonders auf internationale Unsicherheiten."

Sowohl die Konsumausgaben als auch die Unternehmensinvestitionen nahmen in den drei Monaten bis Dezember zu, verzeichneten jedoch die schwächsten Quartale des Jahres.

Umfragen zufolge ist die Schwäche vorerst eingedämmt, und das Wachstum in der Region könnte sich im Jahr 2020 verbessern.

Die Europäische Zentralbank behauptet, dass die Situation sich bessern wird und betont, dass die Risiken für die Aussichten "weniger ausgeprägt" sind. Dies wurde von der Europäischen Kommission unterstützt die am Donnerstag, für den Januar, einen deutlichen Stimmungsanstieg meldete, angeführt von der Industrie und Konstruktion.


Es ist zu beachten, dass diese positiven Äußerungen nicht auf Fakten beruhen. Es gibt noch viel, was die Widerstandsfähigkeit der europäischen Wirtschaft auf die Probe stellen könnte.

Die Handelsrisiken sind in den Vordergrund gerückt, als die USA letzte Woche erneut damit drohten, die Einfuhrzölle für Autos aus der EU zu erhöhen, und Frankreich im Streit um die digitale Besteuerung die amerikanischen Zölle für Wein und Käse nur knapp umging. Es treten auch neue Risiken auf, insbesondere, wie sehr die Ausbreitung des Coronavirus die  die Weltwirtschaft belastet.

Der französische Cognac-Hersteller Remy Cointreau hat bereits eine Warnung abgegeben bezüglich negativer Auswirkungen durch das Virus auf sein Geschäft in China.

Zu Hause haben französische Unternehmen auch Gegenwind durch anhaltende Transportstreiks. Der Einzelhändler Casino Guichard Perrachon SA verwies auf die Streiks als Grund für die Senkung seiner Gewinnprognose Anfang Januar, und auch der Tourismussektor dürfte darunter leiden.

Die BIP-Zahlen für das gesamte Euro-Währungsgebiet werden am späteren Freitag (heute) veröffentlicht. Ökonomen gehen davon aus, dass sich das Wachstum im vierten Quartal auf 0,2 % verlangsamt hat.

In den USA wuchs die Wirtschaft im vierten Quartal auf Jahresbasis um 2,1 % und erreichte damit das Vorjahresniveau, obwohl sich das Wachstum der Verbraucherausgaben abschwächte und die Unternehmensinvestitionen zurückgingen.

Für Spanien - ebenfalls heute - wird ein stabiles Wachstum von 0,4% im vierten Quartal erwartet. Einige der kleineren Volkswirtschaften des Euro-Währungsgebiets verzeichnen bereits ermutigende Zahlen. Belgiens Wirtschaft wuchs im Berichtszeitraum um 0,4%, während sich die Expansion in Österreich von 0,1% auf 0,3% beschleunigte.

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